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Sendung vom 27.01.2012 11:00:

Fortführungsantrag Anzeige gegen Tierschutzprozess-Linguist

Er war die Lachnummer des Tierschutzprozesses: der linguistische Gutachter Schweiger. Die Anzeige wegen falschem Gutachten wurde von der StA niedergelegt: Fortführungsantrag.

Es ist verboten wissentlich ein falsches Gutachten zu erstellen. Zivilrechtlich reicht es schon, wenn dieses Gutachten besser hätte sein müssen (bedingter Vorsatz) und durch seine falschen Behauptungen Schaden angerichtet hat. Beides trifft im Fall des Tierschutzprozesses zu. Es wurde Anzeige eingebracht und das Verfahren prompt von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Schweiger sei nun einmal so doof, dass er seine verrückten Thesen selber glaube. Deshalb sei sein Gutachten vielleicht falsch, aber nicht vorsätzlich falsch, d.h. er hat es einfach nicht besser zusammengebracht.

Dagegen sprechen alle Fakten in diesem Prozess. Ein Beispiel. Schweiger behauptete über ein sogenanntes Bekennerschreiben zu einer Nerzbefreiung (das nicht einmal ein Bekennerschreiben war), dass es von Martin Balluch geschrieben sein müsse, weil einige statistische Parameter, wie die durchschnittliche Wort- und Satzlänge, ähnlich gewesen seien. Als bekannt wurde, dass genau dieser Text mit nur einer Handvoll Änderungen von einem anderen Autor stammt und von diesem 1998 unter seinem Namen in der Nationalbibliothek archiviert wurde, zog das Statistikargument nicht mehr. Also schwenkte Schweiger um: jetzt war einer der wenigen Unterschiede der beiden Texte, ein Kongruenzfehler, laut Schweiger der größte linguistische Fingerabdruck aller Zeiten und bewies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, dass Balluch diese Änderungen durchgeführt haben musste.

Dann aber wurde die Urform des Textes aus dem Jahr 1994 in der Nationalbibliothek gefunden, wiederum von einem anderen Autor. Und dieser Text enthielt bereits diesen Kongruenzfehler. Also schwenkte Schweiger erneut und behauptete, der letzte Unterschied, der noch blieb, "zu zweit" war durch "zu mehrt" ersetzt, weise unzweideutig auf Balluch als Autor hin. Warum? Weil "zu mehrt" von Balluch erfunden sein müsse. Diese kühne Behauptung stellte Schweiger auf, ohne die Phrase "zu mehrt" je in Balluchs Texten gefunden zu haben.

Aber auch hier wurde Schweiger überführt: "zu mehrt" findet sich bereits in einem Buch aus dem Jahr 1933. Schweigers Kommentar: "Auch das Rad wurde mehrmals erfunden".

Und trotzdem stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren wegen falschen Gutachtens ein. Schweiger glaube seine Blödheiten tatsächlich, ist die zuständige Staatsanwaltschaft überzeugt, und Blödheit sei nicht strafbar. Offensichtlich ist diese Staatsanwältin nicht überrascht, so einen Unsinn von einem in Österreich zugelassenen gerichtlich beeideten Sachverständigen zu hören. Sind tatsächlich viele Sachverständige so dumm? Oder hat die Staatsanwältin die Weisung, dieses Verfahren einzustellen, um die Büttel der Staatsmacht zu schützen und für ihre rückgratlose Hilfsrolle zu belohnen - im Fall Schweiger mit einem Preis des Gutachtens von € 50.000!!