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Sendung vom 16.10.2012 11:00:

Wer oder was herrscht eigentlich, wenn das Recht herrscht?

Das Recht – Wer oder was herrscht, wenn das Recht herrscht? Der Rechtsstaat gilt als große zivilisatorische Errungenschaft Aber: Wer oder was herrscht eigentlich, wenn das Recht herrscht? Montag 22.10.2012 um 19:30 Siebenstern, Siebensterngasse 31, 1070 Wien

Der Rechtsstaat gilt als große zivilisatorische Errungenschaft - Aber: Wer oder was herrscht eigentlich, wenn das Recht herrscht?

Montag 22.10.2012 um 19:30
Siebenstern, Siebensterngasse 31, 1070 Wien

Dass es beim Recht um Herrschen und Beherrscht-Werden geht, ist kaum zu übersehen. In keiner anderen Rolle tritt der Staat den Bürgern so offen als Gewalt gegenüber, wie wenn er Recht setzt und durchsetzt. Der Wille der politischen Macht, in gesetzesförmige Beschlüsse gegossen, ist für die Menschen in ihrem Machtbereich verbindlich und wird von bewaffneten Staatsorganen durchgesetzt; Zuwiderhandeln wird bestraft, in schlimmeren Fällen mit dem Entzug der Freiheit.
Das finden viele Mitbürger vernünftig und menschlich. Manche versteigen sich sogar zu der gewagten These, dadurch herrsche das Recht und nicht die Gewalt. Das ist natürlich Unsinn; sie meinen nur, es herrsche nicht die gewalttätige Willkür eines einzelnen Führers oder Diktators und freuen sich darüber. Da haben sie ja auch Recht:

Die Gewalt des Rechts ist nicht zufällig und nicht unberechenbar; sie hat System und Regeln, so dass der Mensch weiß, was ihm erlaubt und was verboten ist. Aber ist eine berechenbare Herrschaft denn keine Herrschaft? Die bürgerlichen Menschen schätzen diese Herrschaft als einen nötigen und wohltätigen Zwang gegen ihre eigene Unvernunft: Die Gewalt des Rechts, so sehen sie es, sorge für die Gewaltlosigkeit der Gesellschaft, erzwinge den Frieden unter den Bürgern und regle Konflikte. Diese Freunde des Rechts wären vermutlich weniger begeistert, wenn sie wüssten, dass das Recht nur solche Konflikte regelt – übrigens: nicht löst! –, die es selbst in die Welt setzt.
Aber das führt ja nur zurück zu der Frage: Was sind das für Verhältnisse der Menschen, die durch das Recht geregelt werden? Was herrscht denn nun, wenn das Recht herrscht?

Dazu noch ein paar thesenartige Überlegungen:
Dass das Recht aus einem Kanon von Vorschriften besteht, dem mittels Gewalt Geltung in der Gesellschaft verschafft wird, ist kein Geheimnis. Dennoch, auf kritikwürdige Herrschaftsverhältnisse, von denen die Menschen sich befreien sollten, mag da niemand schließen. Dass diese Gesellschaft auf Gewalt beruht, dass da stets vorhandene Zwecke und Interessen unterdrückt werden – unterdrückt werden müssen, damit der Friede dieser Ordnung herrscht, das alles will kaum jemand dem Recht entnehmen und ihm zum Vorwurf machen. Stattdessen gibt es lauter Lob der zivilisatorischen Leistung, die es darstellt.

Mit dem Recht haben alle zu tun: Alles, was die Leute in der modernen Gesellschaft machen, ist haarklein rechtlich geregelt; es wird übertreten, als Fessel empfunden; es wird darum gerechtet, ob es gerecht ist; seine Übertretung und die Ahndung von Mord und Totschlag bildet den Stoff für Unterhaltung: Krimis. Aber eines passiert kaum, nämlich sich die Frage zu stellen, was für Verhältnisse eigentlich das Recht regelt, was es also herrscht, wenn das Recht herrscht.

I. Erstes Lob: „Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich“
Gesetze sind allgemeine Setzungen der Staatsmacht; sie sind Willensentschlüsse des Gesetzgebers, die für die Menschen unter der Hoheit des jeweiligen Staates verbindlich sind; in ihnen steht, was den Bürgern erlaubt und verboten ist. Ein gewährender und verbietender Wille setzt sich da über die Bürger und sagt ihnen, was sie dürfen und was nicht.
Dieses Herrschaftsverhältnis soll in Ordnung gehen, weil die Vorschriften nicht von einem König oder Machthaber zum eigenen Vorteil erlassen werden, sondern von gewählten Parlamentariern im Interesse der Allgemeinheit. Diese gute Meinung über die Recht setzende Gewalt des Staates verweist jedoch auf eigenartige gesellschaftliche Verhältnisse: Das vom Staat ins Recht gegossene Allgemeininteresse steht offensichtlich im Gegensatz zu den besonderen Interessen der Bürger.

a) Das Gesetz ist allgemein, es gilt für alle und darf niemanden speziell bevorzugen oder sich gegen niemanden speziell richten: keine Privilegien, keine Diskriminierung. (Wo es den Verdacht gibt, dass ein Gesetz direkt zum Nutzen oder Schaden einer Person oder einer Firma erlassen wird – Telekom, Berlusconi –, wird das Recht auch gleich als Unrecht angesehen.)

b) Sogar diejenigen, die das Gesetz beschließen, die Gesetzgeber, stehen nicht über dem Gesetz. Die Vorschriften, die sie erlassen, gelten auch für sie. Die Träger der Macht sind Funktionäre des Staates, deren Amt und Machtbefugnisse selbst gesetzlich geregelt ist: Herrschaft wird nicht zur Durchsetzung der persönlichen Interessen der Machthaber ausgeübt, sondern als Verpflichtung auf die Notwendigkeiten des Amtes. Auch hier bestätigen die Abweichungen (Korruption) diese Regel.

c) Allerdings gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen der Verpflichtung der Bürger aufs Gesetz und derjenigen der Staatsagenten: Wenn sich das Gesetz als Hindernis für die Staatsinteressen zeigt, wird es geändert (dabei hat sich die jeweilige Gesetzgebung an der Grund- Satzung des Staates, an der Verfassung und den in ihr festgelegten Grundrechten, messen zu lassen); wenn dagegen das Gesetz den Interessen des Bürgers im Wege steht dann muss er diese ändern.

d) Es liegt also ein abstraktes, unpersönliches Herrschaftsverhältnis mit dem Recht vor: Das Recht kodifiziert eine Ordnung, die für alle gilt und gegen alle durchgesetzt werden muss.

II. Zweites Lob: „Das Recht gibt keine Befehle, sondern formuliert Rechte der Bürger“
„Soziale Rechte“, „Arbeiter-“, „Bürgerrechte“, „Rechte für Migranten“ bis hin zu „Kinder- und Tierrechten“ haben einen guten Klang: Obrigkeitliche Verfügungen werden als Besitzstand derer gedacht, die dem Recht gehorchen müssen: „Rechte erkämpfen“, „Rechte verteidigen“.

1. Der Staat erteilt Lizenzen
Staatliche Setzungen werden als Erlaubnisse gewürdigt: Hierzulande darf man etwas, hierzulande schreibt einem niemand vor, was man zu wollen hat und wie man sein Leben zu bewerkstelligen hat. Die staatlich gewährten Rechte werden als Beschränkungen von Herrschaft gedacht. Dabei ist gerade in den staatlichen Erlaubnissen das Herrschaftsverhältnis unübersehbar: Ein großer Gewährer erlaubt den Leuten, was sie treiben. Umgekehrt heißt das: Das, was die Leute treiben, ist Sache seiner Gewährung, untersteht also der Aufsicht und ist abhängig gemacht von seiner Erlaubnis: In all dem, was die Bürger treiben, ist insofern die staatliche Gewalt präsent.

2. Rechte sind immer auch Pflichten
Dass das Recht keine positiven Befehle erteilt, stimmt ja; aber dass es im Wesentlichen darin besteht, dass der sich Staat raushält und die Leute machen lässt, was sie wollen, stimmt nicht. Jede Erlaubnis nennt die Bedingungen und die Grenzen, unter denen das steht, was erlaubt ist. Insofern steckt in jeder Erlaubnis auch ein Verbot: Recht ist Berechtigung und Beschränkung der Bürger zugleich.

- Das Recht schreibt den Bürgern nicht den Inhalt ihrer Interessen und Aktivitäten vor, sondern verweist sie auf die erlaubten Wege, ihre Interessen zu verfolgen. Mit der Definition von Erlaubnissen und Grenzen derselben werden die Bürger auf die vom Staat gewollten Wege ihrer Betätigung festgelegt.

- Das Recht ist die Sorte Aufsicht und Verpflichtung der Menschen, die zur Freiheit gehört. Oder umgekehrt: Freiheit ist gar nichts anderes, als sich um sich selbst zu kümmern, eigene Interessen in der erlaubten Weise zu betätigen.
Dass im fertigen Rechtsstaat das ganze Leben haarklein gesetzlich geregelt – ver-rechtlicht – ist, jeder bei jedem Schritt, den er geht und den andere tun, sich fragen muss, ob er/sie das darf/ dürfen, nimmt nichts zurück von der Freiheit. Sie ist ja gar nichts anderes, als dass den Leuten nicht ihre Bedürfnisse verboten oder vorgeschrieben werden, sondern „nur“ die Wege ihrer Betätigung.

III. Die Grundrechte – Die fundamentalen Erlaubnisse und Grenzen, auf denen die ganze Rechtsordnung aufbaut:

1. Die Freiheit der Person, was ist das:
Freie Entfaltung der Persönlichkeit: Man darf machen, was man will, soweit man nicht die Rechte anderer – deren freie Entfaltung – oder das Gesetz verletzt.
Der Verkehr der Leute untereinander – noch ehe irgendein Inhalt genannt wird, um den es dabei geht – wird als eine konfliktreichen Sache angesprochen. Wie weit die Freiheit des einen reicht, und wo die des anderen anfängt, entscheidet sich an dessen Rechten, das definiert also das Gesetz. Für sich genommen eine Leerformel; wo wäre denn da die Grenze zu ziehen, wenn abstrakte Freiheiten gegeneinander stehen.

Eine Person ist der Mensch als Träger der vom Staat zuerkannten Rechte. Und eine freie Person darf nicht gegen ihren Willen zu etwas gezwungen werden – außer vom Staat auf der Basis von Rechten: Wehrpflicht, Steuerpflicht. Aller Verkehr hat mit Zustimmung der involvierten Personen, also unter Inanspruchnahme ihres Willens stattzufinden. Was heißt das nun wieder?

2. Der Geist des Gesetzes ist das Eigentum
Das, worauf sich der Wille freier Personen richten darf, die ganze äußere Welt als Mittel und Bedingung des Nutzens definiert das Recht als Eigentum; diese Rechtseigenschaft haben die Bürger zu respektieren, wenn sie irgendetwas benutzen, betreten etc.

a) Eigentum ist das Recht auf ausschließendes Verfügen – selbstverständlich über von allen / von anderen Benötigtes; sonst wäre das Recht darauf witzlos.
Wo aber alles allgemein Benötigte als Eigentum definiert ist, liegt ein gesellschaftliches Gewaltverhältnis in Form einer rechtlichen Eigenschaft der Dinge vor: Man darf, was man braucht, nur benutzen, wenn es einem gehört oder der Eigentümer den Gebrauch der Sache erlaubt. Recht auf Eigentum trennt das Bedürfnis vom Mittel seiner Befriedigung, trennt die produktive Arbeit vom Produkt und vom Verbrauch und setzt als vermittelnde Bedingung das rechtlich geschützte Besitzen davor.

b) Dadurch wird alle Benutzung des materiellen Reichtums vom Haben, vom Verfügungsrecht darüber abhängig gemacht. Diese allgemeine und abstrakte Voraussetzung alles wirklichen Nutzens wird zum eigentlichen, in dieser Gesellschaft gültigen Nutzen: Eigentum erwerben, um es zu haben – in seiner abstrakten Form als Geld – ist die Möglichkeit jeden Nutzens: Geld machen ist der eigentliche Zweck aller produktiven, nützlichen Tätigkeit.

c) Insofern verpflichtet das Recht, das den Bürgern nicht ihre Zwecke, sondern nur die Wege ihrer Verfolgung vorschreibt, sie dann doch auf den entscheidenden ökonomischen Zweck: Schaffung und Erwerb von privat-eigentümlicher Verfügungsmacht über den gesellschaftlichen Reichtum, Streben nach Glück ist Streben nach Geld. Alle materielle Produktion ist nur Mittel für dieses gesellschaftliche Ausschließungs- und Machtverhältnis.

IV. Die antagonistische Form der Kooperation, auf die die Bürger durchs Eigentumsrecht festgelegt werden – und ihr polit-ökonomischer Inhalt

1. Durchs Eigentum, den Ausschluss anderer von dem, was sie brauchen, sind die Bürger in ein negatives Abhängigkeitsverhältnis gestellt: Jeder braucht, was einem anderen gehört – und was dieser nur für sich, zum eigenen Vorteil nutzt und nutzen darf. Jeder lässt den anderen etwas aus seinem Eigentum nutzen, um sich selbst möglichst viel von dessen Eigentum anzueignen. Die Bedürfnisse anderer, für die der Eigentümer die Mittel der Befriedigung besitze, machen sie zum Hebel der Mehrung der eigenen Zugriffsmacht auf den gesellschaftlichen Reichtum. Jeder reizt die Abhängigkeit anderer von den Mitteln, die nicht in deren Eigentum sind, nach Kräften aus: Konkurrenz und Tausch als herrschende ökonomische Verkehrsform. Das Maß, in dem einer sein Eigentum in Geldform opfern muss, um an die Dinge seines Bedarfs heranzukommen, und in dem der andere diese nützlichen Dinge in abstraktes Eigentum, in allgemeine Zugriffsmacht in Geldform verwandeln kann, entscheidet sich am Grad der Angewiesenheit der Käufer wie der Verkäufer auf das, was die andere Seite besitzt: Bedürfnisse, die gestillt werden müssen, sind Schwächen in diesem Verkehr; die Freiheit, nicht sofort verkaufen zu müssen, weil man ohnehin Geld hat, ist Stärke. So einer kann den Verkehr zu seinen Gunsten gestalten, Preise bestimmen; die andere Seite muss zahlen, was verlangt ist.
Unter dem Recht des Eigentums wird alles produzierte und nicht-produzierte Zeug wie Grund und Boden, was Leute brauchen, zum Hebel des ökonomischen Erwerbs: In der Konkurrenz um gesellschaftliche Verfügungsmacht müssen auch Dinge, die man ohnehin nur essen kann, gekauft und bezahlt werden – und gehören, erst nach dem Kauf, ihrem neuen Besitzer, der sie dann verzehrt.

2. Seine eigene ökonomische Produktivität entfaltet die Rechtsform des Eigentums, wo nicht nur Produkte, sondern Produktionsmittel, also das, was die Gesellschaft für die Erzeugung des materiellen Reichtums, d.h. für ihren Lebensprozess, braucht, privates Eigentum einzelner Bürger ist. Wenn die dann auf eine andere Sorte von Bürgern treffen, die auch das Recht auf Eigentum genießen, aber keines – kein ökonomisch relevantes – Eigentum besitzen, dann entfaltet sich der Tausch, der diese Gesellschaft definiert:

Die einen besitzen die Mittel der Produktion – also das staatlich geschützte Recht, diese Mittel nur zu ihrem Vorteil, d.h. für ihren Gelderwerb, zu nutzen bzw. nutzen zu lassen, denn selbst durch eigene Arbeit benutzen können sie ihre Fabrik gar nicht aufgrund der Größe ihres Eigentums. Die anderen, die arbeiten müssen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, dies aber gar nicht können, weil sie nicht die Arbeitsmittel und Rohstoffe besitzen, um konkurrenzfähige Ware auf den Markt zu bringen, stellen sich denen, die die Mittel haben, um Geschäfte zu unternehmen, als Arbeitskräfte zur Verfügung. Sie müssen ihre Ware, ihre Arbeitskraft, verkaufen, die ihnen als unverkaufte gar nichts nutzt. Ihre Bereitschaft und Fähigkeit zu arbeiten, ist also streng genommen gar nicht ihr Mittel, sie werden ja zu einem Mittel nur, soweit und solange ein Geschäftsmann sie für sich, für sein Geschäft als sein Erwerbsmittel benutzt.

Lohnabhängige stellen also sich gegen ein Entgelt zur Verfügung; der Eigentümer der Produktionsmittel kauft nicht das Produkt ihrer Arbeit, nicht einmal eine feststehende Portion Arbeit, sondern ihre Arbeitsfähigkeit – und macht daraus, was er daraus machen kann. Das Ergebnis gehört ihm und vergrößert, wenn verkauft, sein Geldvermögen. Dem Arbeiter hingegen geht der Ertrag seiner Arbeit nichts an; er hat seine Ware ja schon veräußert und dafür Geld erhalten.

Beim Tausch zwischen Kapital und Arbeit treten sich also nicht zwei gleichgeartete Konkurrenten gegenüber: Da besteht das Eigentum des einen in der Macht, über die Arbeit des anderen zu kommandieren und sich deren Früchte als sein Eigentum anzueignen; das Eigentum des anderen besteht in seiner Dienstbarkeit an der Eigentumsvermehrung des einen. Und weil der Tausch zwischen Kapital und Arbeit nur stattfindet, wenn und weil der kapitalistische Eigentümer sein Geldvermögen durchs Arbeiten-Lassen vermehrt, richtet sich das dafür gezahlte Geld auch danach, inwiefern es für den Unternehmer einen lohnende Kost ist. Der Arbeitnehmer, der auf sein Benutzt-werden durch den Arbeitgeber unbedingt angewiesen ist, kann dann schauen, dass er aus dem gezahlten Lohn einen Lebensunterhalt bewerkstelligt.

So liegt im Eigentum ein ganzes Klassenverhältnis begründet: Was den Nicht-Arbeiter zum Kapitalisten und den Arbeiter zum Lohnarbeiter macht, ist das exklusive, private Verfügungsrecht über die Produktionsmittel.

V. Resümee

1. „Vorm Gesetz sind alle gleich“ – in der Tat!
a) Das Recht sorgt nicht dafür, dass einer Eigentum hat, sondern definiert jeden als Eigentümer, Träger des Rechts, Eigentum zu haben: Jeder darf etwas als Eigentum haben – und bekommt dieses Recht geschützt. Ob einer etwas und wie viel sein eigen nennt, ist Privatsache und geht das Recht nichts an. Das sollen die Bürger mit sich und untereinander ausmachen.

b) So kommt der Hohn zustande, dass Nicht-Besitz auch eine Form des Eigentums ist: Ein ausschließliches Verfügungsrecht über – wenn nichts anderes, dann jedenfalls – die eigene Person: Wer nichts besitzt, der besitzt immerhin noch sich selbst; macht also seinen Korpus, seine Zeit, seine körperlichen und geistigen Kräfte zur Handelsware, so hat jeder etwas zu verkaufen und kann Geld erlösen.

Andere besitzen etwas von ihre leibhaftigen Existenz und ihrer Individualität Trennbares, ein Mittel, das sie verkaufen, benutzen, riskieren können. Wenn sie es in der Konkurrenz verspielen, bleiben sie selbst immer noch übrig. Der proletarische Eigentümer, der ausschließlich über sich und ganz zu seinem Vorteil verfügt, ist ein und dasselbe wie sein Mittel, das er einsetzt und auf Zeit verkauft. Je mehr Zeit er von sich verkauft, um mehr Geld zu verdienen, desto weniger hat er davon für sich. Je mehr er sich benutzen/vernutzen lässt, desto früher ist er verschlissen und verbraucht, sowohl hinsichtlich seiner Einkommensquelle als auch hinsichtlich seiner Individualität.

c) Als diese traurige Figur, die eben nichts von der gesellschaftlichen Macht besitzt, die ein wirkliches Eigentum darstellt, genießt auch dieser Eigentümer den Schutz des Rechts: Seine freie Verfügung über sich selbst darf ihm niemand nehmen: keine Sklaverei und keine Zwangsarbeit. Nicht einmal er selbst: Marx weist darauf hin, dass der Schutz der freien Person Arbeiter daran hindert, sich selbst ein für alle Mal zu verkaufen, sie vermieten sich zeitlich begrenzt.
Das Kapital darf Gesundheit und Lebenskraft nicht zu schnell, d.h. nicht mehr als in der Gesellschaft durchschnittlich üblich, untergraben; durchschnittlich muss die Arbeitsfähigkeit bis zur Rente halten. Und wenn Ruin doch wegen der Art der (gefährlichen oder gesundheitsschädlichen) rentablen Arbeit nötig ist, dann muss der Arbeiter mit irgendwelchen Lohnprozenten oder Versicherungen entgolten werden: Berufskrankheiten.

d) Die Höhe des Lohns ist wieder ganz Sache der Parteien. Dem Recht als Eigentümer ist schon Genüge getan, sein Tausch mit dem Arbeitgeber ist rechtlich fair, Lohn also ein Äquivalent für die Leistung, wenn der Vertrag auf freier Einwilligung der Beteiligten beruht. Auch schlimmste Hungerlöhne – frei vereinbart – sind rechtlich nicht zu beanstanden.

e) Umgekehrt verpflichtet den Arbeiter seine Anerkennung als Eigentümer darauf, dass auch der Habenichts nur mit den Pfunden wuchert, die sein Eigentum sind: Also nur per Verkauf seiner Arbeitskraft und Erfüllung seines Arbeitsvertrags sich Mittel seines Bedarfs aneignet. Er ist darauf verpflichtet, dass er das wahre Eigentum respektiert, das ihm als überwältigende gesellschaftliche Macht gegenübertritt, die den ganzen Reproduktionsprozess der Gesellschaft beherrscht und nur für das Wachstum der Verfügungsmacht des Eigentums stattfinden lässt.

2. Dabei verlangt das Recht von niemandem, auszubeuten oder sich ausbeuten zu lassen. Es legt nur fest, dass die Bürger miteinander als freie Eigentümer zu verkehren haben. Den Rest erledigen die Bürger dann selbst: Sie sind auf diese Verkehrsform verpflichtet. Sie finden dann schon heraus, was sich mit ihrem jeweiligen Eigentum im Austausch mit anderen Eigentümern anstellen lässt. Unterm Recht gestalten sie ihre ökonomischen Rollen und füllen sie aus eigenem Antrieb aus. Das ist ihre Freiheit, sonst nichts.

3. Recht ist also die Sorte hoheitlicher Verfügung, wie sie eine Staatsgewalt braucht und erlässt, die den materiellen Lebensprozess der Gesellschaft, über die sie herrscht, nicht selbst organisiert; die nicht den Gesamt-Unternehmer der nationalen Produktion macht, sondern die ihre materielle Grundlage von sich abtrennt. Sie legt die Bürger auf ein privat-eigentümliches Bereicherungsinteresse und die Notwendigkeit des Gelderwerbs fest und überlässt es diesen Interessen – deren Kollisionen sie regelt, aber nicht beseitigt – durch ihre sich wechselseitig bestreitende Kooperation den Reichtum der Nation hervorzubringen und zu erweitern, von dem auch der Staat lebt.

4. Das Recht antwortet also nicht auf Konflikte, die die Bürger ohne das Recht haben, um diese zu schlichten oder zu befrieden. Nichts davon: Es verordnet Verkehrsformen und darüber Interessen, die Antagonismen beinhalten; es bringt die gegensätzlichen Verhältnisse hervor, die sie dann nicht heilt, sondern halt- und gangbar macht. Das Eigentum herrscht, wenn das Recht herrscht.

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Die Rote Armee vs. Frank Stronach

Frank gibt gern mit den von ihm gezahlten Löhnen an. Wie hat er das denn gemacht?
Frank hat was dafür bekommen: Arbeitskräfte. Frank hat damit Produkte herstellen lassen.
Die Produkte haben Franks Firma gehört, nicht den Herstellern.
Franks Firma hat die Produkte verkauft. Mit einem Teil gelöhnt, den Ertrag behalten.
Franks Arbeiter haben ihre Löhne selbst produziert.
Sie sind Arbeiter geblieben, Frank ist reich geworden.

Frank gibt damit an, dass er einmal Arbeiter war.
Von Frank lernen: Arbeiter muss mit dem Arbeiten aufhören, andere arbeiten lassen!
VOM Tellerwäscher zum Millionär, das geht. ALS Tellerwäscher, das geht nicht. Also Aufhören!
Aber wer erledigt dann die Arbeit? Frank fragen!

Frank gibt oft mit seinen Erfahrungen an.
Wenn er was gefragt wird, will er Experten denken lassen.
Was sind seine Erfahrungen wert?

Frank: Nach zwanzig Jahren Arbeit vom Ertrag bescheiden leben können!
Franks Experten wissen auch nicht, wie das geht. Es geht ohnehin nicht.
Frank hat wieder mal angegeben: ER ist ein guter Kerl, hat ein Herz für Arbeiter.
Ohne eigene Arbeit leben geht nur als Unternehmer.

Frank weiß ohne Experten alles über Werte.
Wer Werte anführt, setzt sich ins Recht, absolut und unkritisierbar. Womit?
Mit allem. Das ist wichtig beim DIENEN.

Frank will dem Land dienen. WIE dient er dem Land?
Frank muss es beherrschen, er muss an die Macht, anderen Leuten Vorschriften machen, ihnen Gesetze auferlegen. Ihnen vorschreiben, was sie tun müssen, tun dürfen, was ihnen verboten ist.
So will Frank dienen. Einem Land.

Frank ist lustig. Kaum jemand lacht.
Warum?