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Sendung vom 28.03.2017 11:00:

Familie und Frau

Familie und Frau aus der Sicht der FPÖ

Es handlet sich um die Vorstellung eines neuen Buches:
Die FPÖ - Blaupause der Neuen Rechten in Europa
Aus dem Buch sind einige Passagen wiedergegeben:

Familie und Frau

„Die Familie als Gemeinschaft von Mann und Frau mit gemeinsamen Kindern ist die natürliche Keimzelle und Klammer für eine funktionierende Gesellschaft und garantiert gemeinsam mit der Solidarität der Generationen unsere Zukunftsfähigkeit.“ (Handbuch freiheitlicher Politik. Ein Leitfaden für Führungsfunktionäre und Mandats-träger der Freiheitlichen Partei Österreichs. Wien 4. Auflage/2013, S. 131)

In dieser „Keimzelle“ ist aus freiheitlicher Sicht das zusammengeschlossen, was zusammengehört, nämlich nicht nur die Eltern mit den „gemeinsamen(!) Kindern“, letztere im Plural – und da handelt es sich aus freiheitlicher Sicht beileibe nicht einfach darum, dass sich die Beteiligten ihr Zusammensein nach ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten einrichten. Auch da kann von „Freiheit“ nicht die Rede sein, zumindest nicht im freiheitlichen Weltbild. Denn in der Familie ergänzen sich erstens die Natur, in dem Fall die biologische Möglichkeit in Sachen Fortpflanzung, mit zweitens der auf Liebe gegründeten Bereitschaft der Beteiligten, keineswegs naturgegebene, sondern staatlich beschlossene Pflichten füreinander zu übernehmen, und das alles fügt sich drittens zu beachtlichen Diensten an der Nation und ihrer Zukunft: Die Aufzucht der Kinder und die Sorge um die Alten. Da sieht die FPÖ also das un- und vorpolitische Wirken der Natur in Kombination mit der persönlichen Zuneigung am Werk. Der Dienst als „Keimzelle einer funktionierenden Gemeinschaft“, die Erfüllung von Aufgaben im Fortpflanzungsdienst und als Sozialisationsinstanz im Interesse der Nation soll die quasi ebenso arteigene, menschlich-natürliche Verlängerung von Biologie und Liebe darstellen: Eine „natürliche Keimzelle“ für die „funktionierende Gesellschaft“ und die „Zukunftsfähigkeit“. Wie immer gilt: Wenn da tatsächlich die „Natur“ als determinierende Instanz am Werk wäre, dann wäre ein Zuwiderhandeln durch eine Absage an Familie und Fortpflanzung ebenso unmöglich, wie das Bemühen der Partei um die rechte Auffassung von der ordentlichen Familie überflüssig.

„Nur ein gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und Männern in Österreich sichert eine gedeihliche Zukunft. Dies bedeutet sowohl gleiche Rechte als auch gleiche Pflichten, vor allem aber Chancengleichheit. Zweifelsohne gibt es in unserer Gesellschaft noch immer evidente Benachteiligungen von Frauen. Das politische Bestreben muss es sein, deren Situation zum Besseren zu verändern, nicht aber das geschlechtsspezifische Verhalten durch Beeinflussen, Gängeln und Zwang zu verändern, ja sogar zu unterdrücken.“ (ebd.)

Das „gleichberechtigte Miteinander“ von „Frauen und Männern“ hat seinen Bezugspunkt und seinen Maßstab von vornherein nicht in Vorstellungen darüber, was Frauen und Männer miteinander so vorhaben, sondern, schon wieder, in der Funktion der Geschlechter für die „Sicherung der Zukunft“ – der Nation, ist hier selbstverständlich zu ergänzen. Zu der kann die österreichische Frau womöglich mehr beitragen, als konservative Denker bislang zuzugestehen bereit waren, weswegen auch die FPÖ davon überzeugt ist, dass heutzutage „Gleichberechtigung“ angesagt ist. Bei allem Verständnis für Beschwerden über Benachteiligungen hat das Bestreben, Diskriminierungen abzubauen, aber eine eindeutige Grenze. Die verläuft dort, wo Benachteiligungen im „geschlechtsspezifischen Verhalten“ verankert sind, denn dieses darf keinesfalls durch „Beeinflussen, Gängeln und Zwang“ verändert werden; und insofern sind gewisse Benachteiligungen auch wieder keine, weil sie dem Unterschied der Geschlechter gerecht werden:

„Wir Freiheitliche sind der Überzeugung, dass die biologische Determiniertheit von Mann und Frau anzuerkennen ist, grundsätzlich positiv ist und daher durch abstruse Theorien nicht geändert werden kann oder soll. Wir Freiheitliche sind daher ebenso der Überzeugung, dass weder Mutter- noch Vatersein ein Konstrukt oder eine gesellschaftlich oktroyierte Inszenierung sein kann. Man übernimmt nicht eine Mutterrolle, sondern ist Mutter. Man übernimmt nicht eine Vaterrolle, sondern ist Vater. Geschlechteridentität sei, so die Hüter des Gender Mainstreamings, keine biologische Tatsache, sondern das Ergebnis eines aufgezwungenen Lernprogramms. Schon 1949 hat Simone de Beauvoir dogmatisch festgehalten: ‘Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.’“ (ebd. 135)

Da muss die Partei also ebenso dogmatisch dagegen- und festhalten, dass Frauen nun einmal Frauen, bzw. geborene Mütter sind. Der deterministische „Schluss“ von der biologischen Ausstattung der Frau als Naturwesen – sie hat einen Uterus! – auf ihre Rolle in der Gesellschaft, nämlich die Berufung zur Mutter, ist ersichtlich kein naturwissenschaftlicher. Da werden zwei sehr verschiedene Welten miteinander verknüpft: eine favorisierte sittliche Pflicht wird mit einer „biologischen Tatsache“ begründet. Mit dem freiheitlichen Biologie-Lernprogramm möchten die Freiheitlichen Mann und Frau andere „aufgezwungene Lernprogramme“ ersparen und ihnen die Freiheit schenken, das staatliche Interesse an den Funktionen der Geschlechter als unabweisbaren Auftrag der Natur aufzufassen. Es sei wieder der Hinweis gestattet, dass eine „biologische Determiniertheit“, wenn es denn eine sein sollte, weder positiv noch negativ zu bewerten ist. Bei wirklichen naturbedingten Phänomenen wäre so eine Beurteilung nur lächerlich: Wir mögen das Fallgesetz nicht, weil es Dachziegel herunterfallen lässt? Wo es sich tatsächlich bei Geschlechterdifferenzen um „biologische Tatsachen“ handelt, da könnten diese durch „abstruse Theorien“ gar nicht tangiert oder gar verändert werden, weder so noch so.
Nachdem sich im Verhältnis der Geschlechter in den letzten Jahrzehnten doch einiges geändert hat, auch Homosexualität z.B. im gesellschaftlichen Mainstream nicht mehr als behandlungsbedürftige Krankheit gilt, und nachdem die Kenntnisname „anderer Kulturen“ en passant auch dem borniertesten Österreicher andere Familienformen zur Kenntnis brachte, ist die Legende von der biologischen Determiniertheit anders zu lesen: Hier besteht eine Partei kategorisch darauf, dass ihr grundsätzliches Bild von der Familie im Staatsdienst weder diskussions- noch reform- noch kompromissfähig ist. Abweichungen vom Parteibild in Sachen Familie und Frau sind nicht anderen Bedürfnissen geschuldet, womöglich im Rahmen einer pluralistischen Gesellschaft, in der jeder nach seiner Fasson selig werden darf, wenigstens im Privatleben – sondern es sind denaturierte Abweichungen, sind Entartungen, sind quasi nicht nur ideologische Missgeburten. Denn auch auf diesem Feld und gerade auf diesem Feld tobt der Kampf um die Existenz des Volkes, das durch die unbefriedigenden Wurfquoten der österreichischen Wurzel-Frau bedroht ist.

Deswegen die Vehemenz, mit der die FPÖ da die Verschwörung des „Gender Mainstreaming“ aufzudecken hat, eine Verschwörung, zu deren Denunziation als „hidden agenda“ sogar der gute alte „Marxismus-Leninismus“ exhumiert wird. Die folgende Philippika bezieht sich auf „Gender Mainstreaming“ als Maxime der EU nach dem Amsterdamer Vertrag von 1999: „Als offizielles Ziel werden die Gleichstellung der Geschlechter und die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit genannt“ – also Ziele, denen sich die FPÖ offiziell auch nicht mehr verweigern mag. Aber inoffiziell und hinter den Kulissen! Da geht die Post ab:
„‘Gender Mainstreaming’ soll im ‘Top-Down-Prinzip’ durchgepeitscht werden. Das bedeutet, dass auf allen staatlichen und gesellschaftlichen Ebenen alle Entscheidungen einer von der Spitze vorgegebenen Maxime unterworfen werden und einem gänzlich undemokratischen Vorgehen unterliegen. Diese Strategie findet ihren Ursprung im Wesen der marxistisch-leninistischen Kaderpartei, in der die ‘revolutionäre Avantgarde’ (Lenin) die Struktur für den Klassenkampf – hier den Geschlechterkampf – der ‘unbedarften Masse’ vorgibt. Was der Marxismus-Leninismus als Konspiration versteht – also seinen ‘historischen Auftrag’ zu verschleiern, um verdeckt an das ideologische Ziel zu geraten –, betreiben die ‘TheoretikerInnen’ des ‘Gender Mainstreaming’ als ‘hidden agenda’. So soll schlussendlich die Zerstörung der Identitäten – sowohl in gesamtgesellschaftlicher, kultureller Hinsicht als auch auf individuellgeschlechtlicher Ebene – erreicht werden. Das Ziel von ‘Gender Mainstreaming’ ist nichts anderes als die Schaffung des ‘Neuen Menschen’, das sich bereits Marxisten-Leninisten auf die Fahnen geheftet hatten.“ (ebd. 135f.)

Schon an der Durchsetzung einer Maxime von oben nach unten entdeckt die FPÖ in diesem Fall das „Wesen“ des Marxismus-Leninismus und der Kaderpartei, jedenfalls den geschworenen Feind. Ausgerechnet Politiker, die „Führung“ sonst ganz selbstverständlich als ihre Aufgabe und den Titel „Führungsfigur“ als Riesenkompliment ansehen, die „Vorgaben“ von der „Spitze“ unter anderen Umständen als souveränes Staatshandeln schätzen, die entdecken hier sogar an der Durchsetzung „von oben“ ein politisches Verbrechen! Dann „verschleiern“ ausgerechnet die Theoretikerinnen des „Gender Mainstreaming“ auch noch das, was sie unermüdlich ganz offen formulieren, sodass es sogar die freiheitliche Partei entdecken und sich darüber regelmäßig entsetzen musste:
„Die ‘IdeologInnen’ der Gender-Theorie behaupten, dass man zu Mann und Frau erst gemacht wird … wonach das Geschlecht eine soziale und kulturelle Konstruktion sei.“ (ebd.)

Die Kunst, das politisch Erwünschte als die ureigene, gar die „naturgegebene“ Sehnsucht oder Bestimmung der Beteiligten auszugeben bzw. zu fingieren, und deren abweichende Bedürfnisse einfach als Irrtum oder Manipulation oder Schlimmeres abzutun, die beherrscht auch die volkstümlichere Variante der freiheitlichen Familien- und Geschlechterwissenschaft:

„Das Kind braucht die Geborgenheit der Familie. Deren Säulen sind Vater und Mutter als positives männliches und weibliches Leitbild. Beide wurden in diesem Selbstverständnis durch die mutwillige Abtragung der naturgegebenen Rollenbilder zutiefst verunsichert. Ihre Desorientierung führt zu Beziehungen auf Zeit, weil das dem inneren Widerhall entsprechende Bild des jeweiligen Gegenpols nicht vorgefunden wird. Der vom Thron des Familienoberhaupts gestoßene Mann sehnt sich unverändert nach einer Partnerin, die, trotz hipper den-Mädels-gehört-die Welt-Journale, in häuslichen Kategorien zu denken imstande ist, deren Brutpflegetrieb auferlegte Selbstverwirklichungsambitionen überragt. Die von feministischem Dekonstruktionsehrgeiz zur selbstverwirklichungsverpflichteten Geburtsscheinmutter umdefinierte Frau sehnt sich unverändert nach einem ganzen Kerl, der ihr alle die emotionalen und ökonomischen Sicherheiten gibt, die eine junge Mutter braucht, um sich mit weitgehend sorgloser Hingabe dem Nachwuchs zuwenden zu können. Beider Sehnsucht erfüllt sich nicht.“ (Michael Howanietz: Für ein freies Österreich. Souveränität als Zukunftsmodell. Wien 2013. S. 32)

Eine wie auch immer geartete diskussionswürdige Kritik an der Familie und an der Rollenverteilung nach Geschmack und Postulat der FPÖ kann es nicht geben. Es handelt sich also um „mutwillige Abtragung naturgegebener Rollenbilder“, um „Desorientierung“, um auf keinen Fall frei gewählte, sondern unbedingt um „auferlegte Selbstverwirklichungsambitionen“ und böswilligen „Dekonstruktionsehrgeiz“, um „umdefinierte Frauen“ etc. usw. Eine klitzekleine Frage stellt sich dann aber schon: Wenn der vom Thron gestoßene „ganze Kerl“ ohnehin die Sehnsucht der „jungen Mutter“ nach „emotionalen und ökonomischen Sicherheiten“ erfüllt, nach deren Häuslichkeit er sich komplementär immer schon gesehnt hat, damit er ihr ermöglicht, ihren „Brutpflegetrieb“ auszuleben – warum um Himmels willen finden sich die beiden füreinander bestimmten nicht? Und warum eröffnet der FPÖ-Parlamentsklub nicht endlich eine Heiratsvermittlungsagentur, damit das Leid ein End’ hat? Vielleicht finden sich die beiden nicht, weil heutzutage noch nicht einmal eine vom Feminismus völlig unbeeindruckte Frau das Märchen von der „weitgehend sorglosen(!) Hingabe“ glauben kann, die ihr „ihr“ Märchenprinz durch „ökonomische und emotionale Sicherheit“ spendiert. – Es sei denn, der „Kerl“ ist zufällig von Beruf Oligarch und unterschreibt einen wasserdichten Ehevertrag zugunsten der Brutpflegerin. Die Biologie bietet die bloße Möglichkeit zur Fortpflanzung, sie hat nicht die diesbezügliche Notwendigkeit einbeschrieben. Beim heutigen Stand der Verhütungsmittel schon gleich. Auch für das, was nach der Geburt kommt in Sachen Kinderbetreuung, da schreibt die Biologie den allfälligen Beteiligten nichts vor, den „Brutpflegetrieb“ können die freiheitlichen Naturkundler vielleicht bei dem einen oder andern Viehzeug beobachten, aber Menschen sind halt keine Kaiserpinguine.

Bleibt noch eine Kleinigkeit zu bewältigen. Denn es gibt sie ja, die ideale Familie, die dem freiheitlichen Familienbild gerecht wird, aber nur fast. Wo jedenfalls „Mann und Frau mit gemeinsamen Kindern“ im Plural zusammenleben, und wo die Biologie und ihre Vorgaben noch respektiert werden, indem der Kerl das Geld verdient, und die von ihm persönlich abhängige Frau sich um Haushalt und Kinder kümmert. Die Ablehnung homosexueller Partnerschaften soll in dem Umfeld auch weit verbreitet sein. Dummerweise versagt diese idealtypische Familie mit Migrationshintergrund vor der einzig wahren Aufgabe der Keimzelle, nämlich vor dem Fortpflanzungsdienst an der österreichischen Wurzel-Nation. Die leidige Rassenfrage!

Da muss also sogar die FPÖ auf einem Frauenbild bestehen, das die biologische Determiniertheit diesmal etwas zurückstellt, nämlich darauf, dass
„in Österreich Frauen und Männer gleiche Rechte haben. Das freiheitliche Verständnis von Gleichberechtigung umfasst gleiche Pflichten, gleiche Rechte und vor allem Gleichwertigkeit. Zwangsehen, Zwangsbeschneidungen und die Unterdrückung von sowie Gewalt gegen Frauen sind in unserem Rechtsstaat keineswegs durch Religionsfreiheit gedeckt. … Das Brechen unserer Verfassung und unserer Gesetze, etwa durch Gewalt gegen Frauen … ist ebenfalls nicht durch Religionsfreiheit gedeckt. (HB S. 50f.)

Da entdeckt man durchaus Zwang und Unterdrückung im Verhältnis von patriarchalisch agierenden Kerlen und untergeordneten Frauen, als hätte die Partei von Simone de Beauvoir abgeschrieben, völlig ohne diese Sachlage als Ergebnis der freiheitlich geforderten weiblichen „Wahlfreiheit“ zwischen Beruf und Kindern zu würdigen, und ohne das der Biologie anzulasten. Die freiheitliche „Gleichwertigkeit“ kann ja viele reale Unterschiede als gleichwertig bewerten, aber die in den migrantischen Familien verbreiteten jedenfalls nicht:

„Zudem ist evident, dass Mädchen aus dem islamischen Kulturkreis nach Abschluss ihrer Pflichtschulausbildung in überdurchschnittlich vielen Fällen keine weiterführende Ausbildung erhalten und damit offenbar dauerhaft dem Arbeitsmarkt entzogen werden. Dadurch wird die weitere Zukunft der Betroffenen in den Schoß ihrer Familien gelegt, eine eigenverantwortliche Entwicklung wird erschwert, islamische Familienbilder werden zementiert. Diese Entwicklung ist durch eine gesonderte Beratung der betroffenen Mädchen und allenfalls durch das Eingreifen der Jugendwohlfahrt zu verhindern.“ (139)

Also wenn es gegen Muslime geht, ist die Partei auf einer Linie mit dem verhassten „Gender Mainstreaming“: „Geschlechteridentität sei, so die Hüter des Gender Mainstreamings, keine biologische Tatsache, sondern das Ergebnis eines aufgezwungenen Lernprogramms.“ In dem Fall hätte auch der Staat ordentlich durchzugreifen, um den betreffenden Familien ein anderes „Lernprogramm“ aufzuzwingen – derselbe Staat, der bei Einheimischen natürlich die Vorstellungen der Eltern bezüglich Kindererziehung zu respektieren hätte.

Sogar den Terminus „Gewalt gegen Frauen“ kennt die FPÖ, aber nur in Zusammenhang mit dem Islam; auch die schon ältere sozialstaatliche Innovation des Frauenhauses, in dem Frauen vor prügelnden Ehemännern und Lebensgefährten ein Unterkommen finden, die wird im doch sehr detaillierten „Handbuch“ nicht erwähnt, während das Recht auf „Wegweisung“ des Schlägers aus dem gemeinsamen Haushalt in seiner ganzen Problematik beleuchtet wird:

„Die Wegweisung ist ein zu befürwortendes Mittel, um akute Konflikt- und Gewaltsituationen rasch zu beenden. Es stellt damit eine wichtige Maßnahme im Kampf gegen Gewalt in der Familie dar. Leider wird diese Möglichkeit jedoch von Frauen in extremen Gewaltbeziehungen zu wenig genutzt. Auf der anderen Seite lädt die Wegweisung auch zu Missbrauch ein, der mittlerweile nicht negiert werden kann. Daher treten wir für einen zeitlichen Rückbau des missbrauchsanfälligen Wegweisungsrechts ein. … Die Wegweisung wirkt als Präjudiz bei Folgeverfahren auf Scheidung, Obsorge und Besuchsrecht.“ (S. 159)

Die Wegweisung – ganz, ganz wichtig im Kampf gegen Gewalt in der Familie, eigentlich! Leider zu wenig genutzt von genau den Frauen in „extremen Gewaltbeziehungen“, die dieses Recht bräuchten (den fremden?); und zum „Missbrauch einladend“ durch andere Frauen (die „eigenen“?), die es gar nicht brauchen, weil sie sich bloß scheiden lassen wollen! Und der Scheidungswunsch kann nicht mit Gewalterfahrungen zusammenhängen? Jedenfalls ist der Rückbau der Wegweisung fällig … Dasselbe scharfsinnige Argumentations-Muster von einer knorrigen FPÖ-Funktionärin aus ähnlichem Anlass; Frauenhäuser sind wichtig, aber nur eigentlich:
„Gender Mainstreaming zerstöre Familien und sei nichts anderes als die Fortsetzung des Zweiten Weltkrieges mit effektiveren Waffen. Die Chefin der FPÖ Amstetten, Brigitte Kashofer, formulierte bereits 2011, auf der Informationsseite des III. Nationalratspräsidenten in einem Kommentar, diese scharfen Worte. … Nun ist ihr die Förderung für das Frauenhaus ein Dorn im Auge … Frauenhäuser seien ein ‘Unfug der abgestellt gehört’, heißt es im Parteiblatt. Kashofer ortet eine Benachteiligung der Männer und eine Instrumentalisierung derartiger Einrichtungen. ‘Ich halte sie für notwendig, um Frauen in Not zu helfen. Frauenhäuser haben sich mittlerweile zu Selbstläufern entwickelt. Die Angestellten bestimmen darüber, wer dort aufgenommen wird. Sie haben ein Interesse daran, das Haus zu füllen’, sagt Kashofer. Sie verlange daher einen Mediator, ‘der sich mit der Familie zusammensetzt und verhindert, dass hinter dem Rücken des Vaters die Familie ins Frauenhaus gebracht wird.’ Auf der Seite der FPÖ Amstetten schreibt sie weiters: ‘Mittlerweile sind Frauenhäuser an der nachhaltigen Zerstörung von Ehen und Partnerschaften maßgeblich beteiligt’.“ (Kurier 18.7.2012)

Missbraucht werden Frauenhäuser, von denen, die sie betreuen und benutzen! Im Grunde genommen – im scharfsinnigen Weltbild von Frau Kashofer – handelt es sich auch um eine Fortsetzung des Zweiten Weltkriegs durch Familienzerstörung, um auf diese Weise das Volk zu eliminieren, was denn sonst! Es gehört also verhindert, dass die Familie „hinter dem Rücken“ des Schlägers „ins Frauenhaus gebracht wird“. Die „nachhaltige Zerstörung der Ehe“ und die „Benachteiligung der Männer“ ist einfach zu haben. Schon dadurch, dass die geprügelte Frau eine Alternative zum Aushalten im „gemeinsamen“ Haushalt hat, also in dem Fall eine mickrige „Wahlfreiheit“ bekommt, und sich in so einer Notsituation gerade noch verabschieden kann – das zerstört die Ehe nach freiheitlichem Bild, die offenbar auf stillem Dulden und unerschütterlichem Standhalten von Frauen beruht. Frauenhäuser nur für muslimische Frauen, weil da keine Missbrauchsgefahr besteht – ob das ein auch für die FPÖ gerade noch akzeptabler Kompromiss wäre?

Am 25.4. gibts eine Buchvorstellung in Form von Vortrag mit Diskussion, im
"Aktionsradius Augarten" am Gaußplatz 11, 1200 Wien