Player
Zur Zeit spielt o94 musik. Bei klick auf den Button öffnet sich der Player in einem neuen Fenster
Zur Übersichtsseite von Kein Kommentar.
Sendung vom 30.10.2018 11:00:

Der neue Dollarimperialismus nutzt und verdrängt den alten

Die Bedeutung der US-Sanktionen gegen den Iran - und alle anderen

Vortrag & Diskussion
Der neue Dollarimperialismus nutzt und verdrängt den alten

Referent: Margaret Wirth, GEGENSTANDPUNKT Verlag
Datum & Uhrzeit: Donnerstag 15.11.2018, 19:00.
Ort: Uni Wien, NIG, Hörsaal3, Universitätsstr.7, 1010 Wien

Die US-Führung kündigt den Atomdeal mit dem Iran. Der Grund für ihr Ärgernis liegt weniger im Atomprogramm selbst, sondern mehr in dessen berechnendem Verzicht darauf, durch den Deal, der unter Obama abgeschlossen wurde. Denn die dafür vertraglich zugesicherte Konzession des bedingten Lebenlassens des iranischen Regimes und der widerruflichen Neuzulassung des Landes zum Weltmarkt erklärt die neue Trump-Regierung im Nachhinein zum Kniefall vor einem Feindstaat und mindestens ebenso vor den anderen Beteiligten – die Rivalen (China, Russland) und Verbündeten (Europa) schließt das gleichermaßen ein.

Damit wird eine Kündigung viel prinzipiellerer Art vorangetrieben: nämlich die der alten, im europäischen Rückblick beschönigend „regelbasiert“ genannten Weltordnung. Diese neue Linie Amerikas fängt sich den Vorwurf ein, egoistischer Nationalismus, gar „Trumps Dollarimperialismus“ zu sein. Das ist ungerecht. Denn dass Trump die Welt mit der Vertragskündigung, den Sanktionen und weitergehenden Sanktionsdrohungen konfrontieren kann, ohne dass die betroffenen Mächte sich eine relevante Gegenwehr trauen, zeugt davon, dass Amerika schlicht die überlegene Macht dazu hat – und zwar aus der bisher geltenden Weltordnung, woher denn sonst. Auch die war also eine Art von US-Imperialismus, der alle Nationen mit Druck, Angeboten und unter allerlei „Regeln“ auf die globale Dollarökonomie als ihr alternativloses Lebens-, Macht-, Konkurrenz- und Aufstiegsmittel verpflichtet hat. Das hat dem Dollar die Macht verschafft, die Trump nun rücksichtslos als Waffe für das Recht amerikanischer Überlegenheit gebraucht.

Dass Parteigänger des Aufstiegs Europas innerhalb der US-Weltordnung der atlantischen Vormacht nun „Imperialismus“ vorwerfen, liegt daran, dass dieser US-Imperialismus neuen Typs Europa und den europäischen Imperialismus auf einen Rang zwischen Irrelevanz und Störung degradiert.

Um diese Behauptungen soll es auf der Veranstaltung gehen.