Player
Zur Zeit spielt o94 musik. Bei klick auf den Button öffnet sich der Player in einem neuen Fenster
Zur Übersichtsseite von Kein Kommentar.
Sendung vom 10.04.2018 11:00:

Bedingungsloses Grundeinkommen / Antirassismus

Das Bedingungslose Grundeinkommen: Befreiung vom Arbeitszwang oder noch eine Alternative staatlicher Armutsverwaltung?

Der Arbeitskreis Gegenpositionen Wien lädt ein:

Das Bedingungslose Grundeinkommen: Befreiung vom Arbeitszwang oder
noch eine Alternative staatlicher Armutsverwaltung?

Mittwoch 11. April 2018, 19:00 Uhr
Uni Campus im Alten AKH, Hof 2, Hörsaal B, Spitalgasse 2-4, 1090 Wien
Referent: Dr. Theo Wentzke GEGENSTANDPUNKT

Linke Vertreter der Idee meinen, dass die in unserer Marktwirtschaft heimisch Armut eigentlich überflüssig wäre. Schließlich gibt es beeindruckende Warenberge und Produktivkräfte, weshalb die Möglichkeit der Überwindung der Armut mit Händen zu greifen sei: Es brauche nur eine passende Dosis „Umfairteilung“ mittels des bedingungslosen Grundeinkommens.

Solche wohlmeinenden Ideen werden seit jeher von den wirklichen und von vielen Möchtegern-Zuständigen der ‚herrschenden Verhältnisse‘ zurückgewiesen. Sie verweisen schlicht auf die ‚herrschenden Zustände‘, die ‚nun mal‘ so sind, wie sie eben sind. Dieser Konter besteht aus purer Antikritik: Die marktwirtschaftliche Realität gilt nun einmal und blamiert ihre Kritiker als realitätsferne Träumer.

Doch mittlerweile hat die Idee neue, mächtige Freunde gewonnen: Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos und anderswo wird der Vorschlag von Industriekapitänen und Konzernvorständen selbstbewusst aufgegriffen: Er gilt als eine Antwort auf die ‚Probleme‘ ihrer schönen neuen ‚Arbeitswelt 4.0‘. Probleme also, die Unternehmen in den goldenen Zeiten digitalisierter Weltmarktkonkurrenz mittels Massenentlassungen und Niedriglöhnen auch weiterhin herzustellen gedenken.

Auch die Politik denkt über das Grundeinkommen nach; darüber nämlich, ob es nicht ein zeitgemäßer Ersatz für die eine oder andere kompliziert konstruierte Sozialkasse sein könnte. Damit kündigt sie an, sich weiter machtvoll um alle Probleme zu kümmern, die ihr aus Armut und Existenznot erwachsen - mit denen sie also auch in Zukunft ganz fest rechnet. Am berechnenden Gequatsche von Unternehmern und Politik über das Grundeinkommen ist also zumindest zu lernen, wie verbissen die Macher des Kapitalismus darauf bestehen, dass Armut und Wachstum untrennbar zusammengehören.

In die Debatte, ob die schöne Idee des bedingungslosen Grundeinkommens durch die unverhoffte Schützenhilfe nun endlich möglich oder in den ‚falschen Händen‘ missbraucht wird, mischt der Vortrag sich nicht ein. Der Vorschlag ist weder zu bescheiden, noch unrealistisch – sondern ein einziger, fataler Irrtum über den Charakter von Arbeit und Reichtum in dieser Gesellschaft.