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Sendung vom 18.02.2020 19:00:

AMOROC Pressekonferenz

Qualifizierte Pflegefachkräfte aus Marokko begegnen Pflegenotstand in Österreich

Anfang Februar luden die Österreichisch-Marokkanische Handelskammer AMOROC gemeinsam mit Österreichs größtem privaten Pflegeheimbetreiber, der SeneCura-Gruppe, zu einer Presseveranstaltung nach Wien ein. Anlass war der Start einer Ausbildungsinititive in Österreich für Fachpersonal im Gesundheits- und Pflegebereich aus Marokko. Künftig soll diplomiertes Pflegepersonal aus Marokkos Hauptstadt Rabat nach erfolgreicher Notstrifizierung gezielt im österreichischen Pflegesystem eingesetzt werden. „Schließlich muss aber auch die Rechtslage stimmen“, betonte SeneCura CEO Anton Kellner. Pflegeberufe gelten als Mangelberufe in Österreich, folglich gebe es keine Probleme mit der Niederlassung und dem Aufenthaltsgesetz.

Die Ausbildungsoffensive soll mit der Anstellung von Pflegefachkräften dem bestehenden Mangel von Gesundheits- und Pflegepersonal in Österreich entgegenwirken. Johannes Wallner, der bei SeneCura für Sonderprojekte zuständig ist, erläutert die „Vorsorgemaßnahme“ seiner Gruppe mit aktuellen Statistiken, die dem Sektor 75000 fehlende Arbeitskräfte bis 2030 prognostizieren. Die „Win-Win-Situation“ für beide Länder liegt darin, dass für Marokkos hohen Anteil an junger Bevölkerung hochqualifizierte Ausbildungen im Gesundheits- aber auch Gastronomiesektor, sowie wechselseitige Ausbildungen und Praktika in Marokko und Österreich bereitgestellt werden. Die Einbindung der marokkanischen Jugendregierung unter Regierungschef DI Nabil Gouza ist daher zentral für die länderübergreifende Projektinitative.

Die weltweit anerkannten Bildungsstandards Marokkos und ein ähnlich hohes Bildungsniveau wie in Österreich ermöglichen diese Projektpartnerschaft. Um die „gewohnten“ Standards durch das marokkanische Pflegepersonal in den Sozial- und Betreuungsdiensten der SeneCura gewährleisten zu können, werden der Ausbildung in Österreich ein facheinschlägiges Studium an den Fachhochschulen in Rabat und Deutschkurse vorausgehen, ergänzt Rabats Bürgermeister, Mohamed Sadiki, der ebenfalls zum Projektstart nach Österreich angereist war.

Um die ersten PflegeassistentInnen bereits Anfang 2021 im Rahmen eines umfassenden Stipendiums anstellen zu können, sollen im Sommer diesen Jahres geeignte KandidatInnen ausgewählt werden. Als größte organisatorische Herausforderung gelten die verlangten Deutschkenntnisse auf B2 Niveau vor Zuwanderung nach Österreich und dem Besuch des vorbereiteten Nostrifizierungslehrgangs an einer niederösterreichischen Fachhochschule. Hier braucht es dringend die Unterstützung der Bundesregierung, um dem demografisch bedingten Problem des Pflegenotstandes in Österreich in Zukunft sicher gegensteuern zu können. Da die SeneCura außerdem die Mehrheit seiner Verträge mit den Ländern und Kommunen der Republik sowie den Sozialversicherungsanstalten hält, profitiert die gesamte Branche – nicht nur die SeneCura Gruppe – von dem Projekt, unterstreicht Kellner die Wichtigkeit des Anliegens.

Wesentliche Stütze des Projektes wird die universitäre Ausbildungsstätte „SeneCura Campus Lakeside“ sein, die ab 2020 in Grafenwörth (Niederösterreich) mit einer Investitionssumme von 24 Millionen Euro errichtet wird. Das Ausbildungszentrum wird in einem ersten Anlauf für 125 Personen Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen können und wird mit mehreren Campus-Standorten in Deutschland, der Schweiz und einigen CEE-Staaten bis 2023 zum internationalen Dreh- und Angelpunkt für pflegerisches Know-How für bis 4500 Studierenden pro Jahr ausgebaut werden. Die SeneCura Führung betont, dass die Ausbildung und das Stipendium im Rahmen der Projektpartnerschaft mit Rabat „ein Investment von ihrer Seite“ ist und dass „damit keine Arbeitsverpflichtungen für 10, 15 oder 20 Jahre“ verbunden sind.

Der Verein AMOROC, der die Mittlerrolle zwischen österreichisch-marokkanischen AkteurInnen der Republik Österreich und dem Königreich Marokko übernommen hat, ist überaus dankbar, in der SeneCura einen „wertschätzenden“ Kooperationspartner gefunden zu haben. Vizeobmann Mag. Harald Haris Janisch pointiert die guten Einstiegs- und Entfaltungsmöglichkeiten in gesicherten Strukturen, die den Jugendlichen einen Weg in Österreich eröffnen und ebnen werden.

Playlist / Zusatzinfo:

Musik: Soul Conversation/ Masterplan Records