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Sendung vom 09.03.2016 11:00:

Nachtrag zum 8. März

Anerkennung von Frauenproblemen: Die jährliche Frauenverarschung

Nachtrag zum 8. März

Kein Kommentar ausnahmsweise am Mittwoch: Die heutige Sendung ist ein kritischer, ein polemischer Nachtrag zum gestrigen 8. März. Dieser Nachtrag bezieht sich ausdrücklich auf die rund um dieses Datum geradezu rituell veranstaltete Meinungsbildung, wie sie von Politik und etablierten Medien in schöner Eintönigkeit betrieben wird – jährlich grüßt das Murmeltier, sozusagen. Diese rituelle Debatte wird im folgenden Beitrag kritisch als „Frauenverarschung“ charakterisiert, und das soll auch argumentiert und bewiesen werden. Falls sich RadioproduzentInnen oder RadiokonsumentInnen betroffen fühlen, dann ist die diesbezügliche Auseinandersetzung selbstverständlich erwünscht.

Die Ausgangslage bezüglich der Geldfrage ist bekannt: Frauen verdienen erheblich weniger Geld als Männer, natürlich nicht in jedem individuellen Vergleich, sondern durchschnittlich. Das ist, so die heutige leitende These, kein Verstoß gegen Gleichheit und Gerechtigkeit, sondern das ist das Resultat der Gleichbehandlung nach den Maßstäben der modernen Wirtschaft. Frauen sind nicht benachteiligt, sondern Frauen sind beteiligt. Und das ist nicht nur so, das ist auch allgemein bekannt, und deswegen – genau deswegen verdient die jährliche „Frauen-verdienen-weniger-Sause“ die Bezeichnung als „Frauenverarschung“. Darum geht es heute.

Jedes Jahr im Frühjahr wird die Tatsache breitgetreten, dass Frauen weniger Geld verdienen als Männer – durchschnittlich, ein Drittel bis ein Viertel, je nach Berechnungsweise. Heuer, 2016, wird gern der Vergleich der Brutto-Stundenlöhne herangezogen, die Bilanz hier lautet: Minus 23%. Aber diese Tatsache wird nicht nur erwähnt, sondern auf eine sehr seltsame Weise kommentiert: Es wird behauptet, das sei sowohl sachlich als auch moralisch ungehörig, das passe also nicht zu den üblichen Gesichtspunkten von Lohn und Leistung, und sei daher in jeder Hinsicht inakzeptabel. – So weit, so gut bzw. schlecht. Das Paradoxe an der jährlichen Empörung besteht nun darin, dass in den Berichten zum Thema diese These vom Widerspruch, die These von der ungerechten, von der grundlosen, auf Vorurteilen basierenden Ungleichheit schlagend widerlegt wird:

Ein exemplarischer Beitrag dazu, aus den vielen Stellungnahmen, diesmal aus der Kronenzeitung vom 1. 3. dieses Jahres: „Frauen verdienen beim Stundenlohn in Österreich um 23 Prozent weniger, als die Männer, also um fast ein Viertel. … Grund:“ – Es wird in diesem Text nun ausdrücklich ein Grund angekündigt, also eine Antwort auf die Frage, warum das so ist! Weiter im Text: – „Frauen sind in Österreich deutlich weniger in Führungspositionen vertreten, haben weit mehr Jobs mit geringerem Einkommen: ‘Das Land ist noch eher darauf ausgerichtet, dass Frauen hauptsächlich für die Hausarbeit zuständig sind’, weiß Ingrid Moritz, Expertin der Arbeiterkammer. Jede dritte Frau in Österreich arbeitet Teilzeit, währenddessen nur jeder zehnte Mann kurz Zeit für den Sprössling erübrigen will.“ Das mit „jede dritte Frau“ und Teilzeit scheint wieder eine andere Statistik zu sein, denn neulich las man von 48% weiblicher Teilzeitarbeit, bei Frauen mit Kindern sind es sogar ca. zwei Drittel – aber wie dem auch sei; nun kommt der Verarschungsteil, er lautet: „In allen 28 EU-Ländern verdienen Frauen weniger als Männer – warum eigentlich immer noch?“ Das „immer noch“ erfüllt geradezu den Tatbestand der Verhöhnung, da wird so getan, als sei das ein eigentlich überholter, völlig unzeitgemäßer Zustand, der so gar nicht in die Gegenwart passt. Und das nachdem ein paar Zeilen oberhalb der Grund benannt ist: Der Grund ist die real existierende „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, an deren Herstellung PolitikerInnen seit immerhin ein paar Jahrzehnten arbeiten – genau so geht sie und genauso existiert sie, diese Vereinbarkeit.

Eine andere Quelle: „Wenn man sich in die Materie vertieft, finden sich nur wenige Beispiele, bei denen zwei in ihrer Ausbildung, Erfahrung und Persönlichkeit gleiche Personen in derselben Branche und im selben Job landen, und einer nur deshalb mehr verdient, weil er ein Mann ist.“ Soll heißen, gleiche Branche, gleiche Laufbahn, etwa gleicher Lohn. „Sehr wohl gibt es aber Hinweise dafür, dass gleich gut qualifizierte Frauen einen Job nicht kriegen, weil Unternehmer befürchten, dass sie durch eine Schwangerschaft bald einmal für einige Zeit weg sein könnten. Das ist genau genommen verboten, aber selten nachweisbar.“ (STANDARD 5./6. 3.)

Dasselbe nochmal ausführlicher. Der Grund für die Lohndifferenzen liegt in der – durchschnittlichen – unterschiedlichen „Erwerbsbiographie“, wie das auf soziologisch genannt wird: Frauen unterbrechen die Berufstätigkeit, zuerst durch die Karenz, und arbeiten anschließend häufiger Teilzeit, wegen der Kinder – „nicht immer freiwillig“, wie dazu gern vermerkt wird. Es gab allerdings im vorigen Jahrhundert ein „Frauenvolksbegehren“, und damals wurde u.a. ausdrücklich ein „Recht auf Teilzeitarbeit“ gefordert, wg. dieser berühmten Vereinbarkeit von Beruf und Familie; ein paar Jahre später wurde dann die sog. „Teilzeitfalle“ entdeckt und thematisiert. Wie dem auch sei, wg. freiwillig oder unfreiwillig – im Kapitalismus ist Teil-Zeit natürlich auch Teil-Geld und damit Teil-Einkommen; also liegt kein Verstoß gegen, sondern ein Resultat von Gleichbehandlung vor. Und diese Unterbrechungen durch Karenz bzw. die Jahre der Teilzeitarbeit, die summieren sich zu erklecklichen Unterschieden, zuerst in weniger „Dienstjahren“, dazu kommen natürlich die geminderten Karrierechancen, also das Hängenbleiben in den unteren Etagen der Berufs- und Betriebshierarchie, indem frau – immer durchschnittlich – dem Betrieb nicht so bedingungslos, teilweise auch in der Freizeit zur Verfügung steht, wie das heute erwartet wird. Also entspricht es schon der Normalität im Kapitalismus, wenn frau unter diesen Umständen weniger verdient – von Grundlosigkeit, von längst überholten sog. „Vorurteilen“, von einem Widerspruch zu den gültigen Prinzipien von Bezahlung, davon kann nicht die Rede sein.

Nachdem das alles kein Geheimnis ist, sondern gerade im Umkreis des 8. März ständig besprochen wird, wurde natürlich längst versucht, diese Gesichtspunkte zu berücksichtigen und beim Vergleich der Geschlechter in Sachen Lohn herauszurechnen. Der überwiegende Teil der Einkommensunterschiede ist mit der weiblichen „Erwerbsbiographie“ erklärt, es bleibt in den meisten Berechnungen aber eine darüber hinaus gehende Differenz. Das „profil“ hat, vor mittlerweile vier Jahren, einen Artikel publiziert, unter dem Titel „Löhne: Die Wahrheit über die Ungleichheit“, und dabei Ähnliches wie der STRANDARD berichtet: „Frauen und Männer verdienen in Österreich bei gleicher Arbeit ähnlich viel“; und „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit nahezu erreicht“ (profil 14/2012) Das Magazin wollte damit den „Mythos der geöffneten Lohnschere“ korrigieren, was naturgemäß nicht gelingen konnte, weil der Witz der Debatte gar nicht eine sachliche Klärung der Angelegenheit ist, sondern die erwähnte Verarschung; das wird noch näher erläutert.

Wenn also Statistiker alles erwerbsbiographisch Bedingte herausrechnen, bleibt noch der „unerklärliche“ Rest, der irgendwo im einstelligen Prozentbereich liegt. Das banale Interesse der Betriebe, möglichst wenig zu zahlen und ständig zu testen, wieweit sie damit durchkommen, das bleibt in der ganzen Affäre übrigens ausgeklammert. Aber: Dieser bleibende Teil der Differenz – der für die österreichische Frauenministerin anno 2012 „unerklärliche“, was so viel bedeuten soll wie „ungerechte“ und nur durch sogenannte „Vorurteile“ bedingte –, das ist der Frauen- bzw. der Müttermalus. Der Frauenmalus besteht in der Vorstellung der Arbeitgeber, dass Frauen ganz allgemein und generell weniger verfügbar und weniger leistungsfähig sind, und ihnen wegen dieser mangelnden Zuverlässigkeit weniger gezahlt gehört – und dieser Standpunkt ist ein Vorbehalt, aber alles andere als ein Vorurteil. Dazu zwei Stellungnahmen, aus vielen gleichlautenden herausgegriffen:

„Vogue-England-Chefin schimpft über Mütter in Karenz. Das würde sich kein Mann trauen: Die Chefredakteurin der britischen Vogue, Alexandra Shulman, ärgert sich in einem Interview mit der Times über ‘Mütter, die ein Jahr in Karenz gehen und danach wieder schwanger werden’ und bezeichnet das als ‘frustrierend für das Unternehmen’. Shulman prägt seit 23 Jahren die britische Vogue und war bereits vier Monate nach der Geburt ihres Sohnes wieder im Büro.“ usw. (KURIER 30.6.2015) Vogue, das ist übrigens ironischerweise eine sog. Frauenzeitschrift, so wie in „der Teufel trägt Prada“, also da geht’s um Klamotten, Frisuren, Schminktipps und Schuhe und so Zeug eben, und das einzig Bemerkenswerte ist in der Tat, dass sich da eine Frau traut, Klartext zu reden und dass sie den ansonsten heutzutage gern weggeheuchelten, aber praktisch sehr gültigen Standpunkt der Wirtschaft einmal ungeschminkt verlautbart.

Eine ähnliche Auskunft aus dem „profil“, im Jänner 2012: „Die Zahl der Väter auf Babypause steigt an. Nicht wenige Arbeitgeber reagieren beleidigt, wenn Männer sie für ein Kind im Stich lassen – und degradieren die Väter. … Viele Männer, die in Karenz gehen, werden gemobbt, degradiert oder schnellstmöglich gekündigt. Eine absurde Variante von Gleichberechtigung, die niemand wollte – wenn Väter genauso schlecht behandelt werden wie Mütter.“ Dem profil entgeht hier offenbar die tatsächliche Absurdität der Forderung nach Gleichberechtigung, denn diese ist doch offenkundig auch durch eine gleich schlechte Behandlung beider Geschlechter erreicht – warum sollte denn die Forderung nach Gleichheit oder Gleichberechtigung immer auf eine Verbesserung hinauslaufen; beides ist doch, Hauptsache „gleich“, auch durch eine Nivellierung nach unten machbar!

Nebenbei, ein kleiner Scherz: Es gibt einen alten Kalauer, der beginnt mit „wenn-Männer-Kinder-kriegen-würden“ – dann wäre die Menschheit längst ausgestorben, so die übliche Antwort; geschenkt; es gibt aber auch sehr seltsame, skurrile und weltfremde Fortsetzungen wie „dann wären überall Still-Pausen normal“ oder „dann wäre die Arbeitswelt total kinderfreundlich“ usw. usf. – Es gibt offenbar die weitverbreitete Ansicht, die moderne Arbeitswelt sei irgendwie darauf ausgerichtet, es Männern recht machen zu wollen, und der zitierte Vorbehalt gegen die Ausübung der Mutterfunktion hätte nichts mit den Ansprüchen der Betriebe zu tun, sondern läge an einer völlig grundlosen Abneigung gegenüber Frauen … Das Gegenteil trifft zu: Sobald Männer Funktionen übernehmen, die bislang den Müttern vorbehalten waren, trifft auch sie der erwähnte „Malus“.

Zurück zum Thema: Der Grund für den Frauenmalus besteht also in der Gewissheit, dass Frauen neben dem Beruf noch andere Pflichten haben, die Familie und die Kinder nämlich, und deswegen nicht ebenso rücksichtslos benutzbar sind, wie das vom Arbeitnehmer verlangt und erwartet wird. Frauen sind in der Tat weniger leistungsfähig, und das liegt nicht daran, dass Frauen weniger leistungsfähig sind: Sie sind es, weil sie auch noch andere Pflichten haben! Die Doppelbelastung wird hier den Frauen zum Vorwurf gemacht bzw. als Vorwand für Lohndrückerei benutzt, so wie den Arbeitgebern jeder diesbezügliche Vorwand recht ist, solange sie damit durchkommen. Die täglichen Erscheinungsformen dieser Doppelbelastung, also dieser verminderten Brauchbarkeit für die Firma sind ebenfalls allgemein bekannt und diskutiert: Wenn der Kindergarten zusperrt und Frau deswegen weg muss, dann sind Überstunden eben nicht problemlos abzurufen; wenn das Kind krank wird und betreut werden oder von der Schule abgeholt werden muss, dann ist – in der Regel – schon wieder frau gefordert, und muss das im Job und mit dem Job irgendwie hinkriegen, als zumindest logistischen Zusatzaufwand bei der Mobilisierung von Verwandten und Bekannten. Diese verminderte, durch zusätzliche Pflichten behinderte Verfügbarkeit für das Unternehmen wird gewissermaßen in den Lohn „eingepreist“, wie man das im Börsianerdeutsch nennt. Praktisch wird das alles abgewickelt über die Einstufung in der Lohnhierarchie; es gibt hierzulande bekanntlich ein sehr ausdifferenziertes Lohngefüge mit vielen verschiedenen Einstufungsmöglichkeiten, und da versucht das Kapital seine Möglichkeiten auszureizen.

Das einzig vorurteils-mäßige, das „Ungerechte“ in der Angelegenheit ist die Subsumtion des Individuums Frau unter die Dienste der Gattung Frau; frau wird üblicherweise ganz generell und ohne Prüfung des Einzelfalls als jemand mit anderen, zusätzlichen, hinderlichen Pflichten genommen. Das, was Männer derzeit individuell trifft, wenn sie in Karenz gehen, nämlich der Vorbehalt, andere Pflichten oder Neigungen wichtiger zu nehmen als den Job, was sich dann auf die betriebliche Wertschätzung, auf Gehalt und Beförderungen auswirkt, das trifft Frauen kollektiv. Die Herren ArbeitgeberInnen verschmähen die Frauenarbeit nicht, sie wird eben schlechter bezahlt, wenn’s irgendwie geht. Im Lohn spiegelt sich ja nicht nur das Interesse des Lohnzahlers an der Tätigkeit selbst, sondern auch die Verfügbarkeit, die Freiheit im Umgang mit Überstunden und Zusatzaufgaben. Und gefragt werden darf eine Frau heutzutage nicht mehr – viel, viel früher war es durchaus üblich, Frauen beim Bewerbungsgespräch nach Schwangerschaft und Kinderwunsch zu fragen, und eine ehrliche Antwort wurde gegebenenfalls gegen die Kandidatin verwendet; das ist heute nicht mehr erlaubt.

Das alles ist jedenfalls für niemand ein Geheimnis, in den Beiträgen zu den unterschiedlichen „Erwerbsbiografien“ anlässlich des Internationalen Frauentages wird das alles breitgetreten und ausführlich erörtert. Ebenso bringt sich die zuständige Ministerin in aller Regel nach ca. fünf Minuten in die Debatte ein, mit der Forderung, es müsse mehr getan werden, um die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ zu erreichen – tja, aber dann wird es schon an der diesbezüglichen Unvereinbarkeit liegen! Erstaunlich ist also vielmehr das hartnäckige Gerücht, dass so eine Lohndifferenz den in der Marktwirtschaft gültigen Kriterien von Lohn und Leistung widerspräche, und insofern grundlos oder vorurteilsbasiert sei. Erstaunlich ist, dass es die jährliche Debatte überhaupt gibt. Was ist die Leistung der Debatte?

Nun, eröffnet wird die jährliche Bearbeitung des Themas mit einer heutzutage erstaunlichen Bereitschaft in Politik und Öffentlichkeit, Frauen so etwas wie ein Recht auf Unzufriedenheit zuzugestehen, und das, wo allerorten Abstriche, Gürtel-enger-schnallen und Bescheidenheit angesagt ist, bei der Mindestsicherung, bei den Pensionen; generell wird beim Lebensstandard abhängig Beschäftigter gegen jede Vorstellung „wohlerworbener Rechte“ gehetzt, werden unter dem Titel „Reformen“ Maßnahmen gefordert, die alle auf eine Senkung der Einkommen hinauslaufen – aber Frauen sollen und dürfen ein Anspruchsdenken ganz eigener Art pflegen. Dieses Recht auf Unzufriedenheit wird ja auch gleich mit Leben gefüllt, von hauptamtlichen InterpretInnen der weiblichen Unzufriedenheit: Kind und Karriere, Familie und Beruf soll es schon sei, mit anderen Worten, die propagierte, erwünschte weibliche Anspruchshaltung gilt der Doppelbelastung; soweit die erste Verarschung.

Der nächste Schritt beseht in der Betonung, dass Frauen es dabei ganz schön schwer hätten, allerdings mit der völlig verdrehten Unterstellung, dass das ein Problem sei, an dessen Behebung ohnehin längst gearbeitet würde, so dass die ständige Betonung, dass Frauen es schwer hätten, quasi der erste Schritt zur Abschaffung der Erschwernis wäre. Die diesbezügliche Verarschung fasst sich im Grunde in zwei Worten zusammen: NOCH IMMER verdienen Frauen deutlich weniger als Männer. Noch immer? Das tut so, als sei das ein Relikt, das in der Auflösung begriffen sei – und das seit Jahrzehnten! Nachdem davon nicht die Rede sein kann, bleibt von der ständigen Beteuerung, dass Frauen es dabei schwer haben, nichts als die Anerkennung der Frau als einer Spezies, die es schwer hat, der Status als „Held der Arbeit“, oder Heldin der Doppelbelastung, sozusagen. Und aus. Das war es, da kommt nichts mehr dazu.

Nächster Punkt der Verarschung betrifft die Ursachenforschung und deren Bewältigung: Da wird einerseits aufgelistet, was denn Frauen unhandlicher macht, für „die Wirtschaft“ nämlich, eben die zusätzlichen Pflichten in Bezug auf Kinderbetreuung – und andererseits soll es sich bei den Konsequenzen daraus, bei den Konsequenzen für die berufliche Laufbahn und den Lohn, um Vorurteile handeln, um falsche Einstellungen, die in der modernen Zeit eigentlich keinen Platz hätten. Kurz, die Grundrechnungsarten der Marktwirtschaft sind ständig unterstellt, wodurch Frauen genau wie Männer als Kosten- und Leistungsfaktoren behandelt werden – die Kosten minimieren, Leistung maximieren – das alles ist unterstellt, und dann kommt der Freispruch: Ausgerechnet die ökonomische Kalkulation der Firmen, die Löhne zahlen, die sollen mit dem Ergebnis, soweit es Frauen betrifft, dann doch wieder so gut wie nichts zu tun haben; eine schöne ideologische Leistung.

Vor allem, wenn man bedenkt, was in dieser Debatte völlig ausgeklammert ist und bleibt, weil es ja mit Gerechtigkeit wirklich nichts zu tun hat. Das ist ausgerechnet die Hauptsache, das sind die entscheidenden Fragen; nämlich erstens: Wie viel Lohn bräuchte frau denn für ein anständiges Leben, wo beginnt ein ordentlicher Lebensstandard? Und zweitens: Was muss frau denn dafür tun; verhindert Belastung und Verschleiß und Stress nicht ohnehin die Lebensqualität und reduziert die Freizeit auf die Notwendigkeiten der Regeneration und Reproduktion? Das, was zählt an Lohn und Leistung – wie viel braucht denn frau für ein gutes Leben und wieweit muss frau sich im Job aufreiben, das kommt in der Gleichheits- und Gerechtigkeitsdebatte gar nicht vor. Zu Recht übrigens, denn wer Gleichheit und Gerechtigkeit fordert, hat sich davon längst verabschiedet.

Eine vorletzte Schlussbemerkung: Der Witz ist, dass bei der Doppelbelastung der Frau die Ansprüche von Wirtschaft und Staat auseinandertreten, und dass deswegen „die Wirtschaft“ ausnahmsweise nicht das allerletzte Wort auf ihrer Seite hat: Wenn sonst Forderungen wie Mobilität und Flexibilität und die Bereitschaft zu immer längerer Arbeitszeit völlig anerkannte und automatisch gültige Ansprüche der Wirtschaft sind, dann haben Frauen mit Zusatzpflichten eben den Nachteil, dass sie weder besonders flexibel noch mobil sind: Wer bekindert ist, ist eben behindert, weder ungleiche noch ungerechte Behandlung liegt also vor. In dem Fall widersprechen aber die Anforderungen der Wirtschaft denen des Staates: Kinder sollen schon sein, von Staats wegen, und deswegen ist ideell anerkannt, dass das vor allem Frauen vor schwere Probleme stellt! Worin besteht nun das staatliche Interesse und warum subventioniert die öffentliche Gewalt den Nachwuchs? Da wird jedenfalls nicht ein Hobby von kinderlieben Eltern finanziell unterstützt, mit den diversen Karenz- und Kindergeldern, an denen ständig herumreformiert wird, weil sich das Gebärverhalten der öst. Frau nicht so entwickelt, wie das offenbar von Staats wegen gewünscht wird. Es geht, kurz gefasst, um die Reproduktion der Staatsbürgerrasse! Menschen gibt es ja genug, nicht wenige so verzweifelt, dass sie das Leben riskieren, nur um nach Europa und Österreich zu kommen, und hier irgendwie zu Geld zu kommen, egal wie mies – könnten statt der Eingeborenen da nicht Zuwanderer einbezogen werden?! Offenbar nicht so recht! Was ist der Vorteil der Hiesigen bzw. der Nachteil der Migranten, vom Staatsstandpunkt aus, und warum ist Migration immer nur die zweit- und drittbeste Lösung? Es geht um die nationale Zugehörigkeit und damit um die nationale Verlässlichkeit als quasi natürliche, angeborene Eigenschaft. Die Eingeborenen gelten – das ist ein staatlicher Anspruch, nicht bloß ein Vorurteil! – als beliebig strapazierbar, in Konjunktur und Krise, in Frieden und Krieg, weil sie die Welt von klein auf nur als „WIR“ zur Kenntnis nehmen, als „unser“ Land, weil sie das und nichts anderes gewohnt sind: Die Migranten hingegen kommen aus Berechnung, die wollen ein besseres Leben, die denken also an sich – die Hiesigen hingegen gehören einfach hierher, komme, was da wolle. Die Familie ist die „Keimzelle des Staates“, des hiesigen natürlich, sie ist die physische und sittliche Reproduktion des Volkskörpers, wobei „Familie“ nicht am Trauschein hängt. Moderne „Rassenpolitik“, oder Bevölkerungspolitik geht so: Kinder sollen sein, und Geldverdienen muss sowieso sein; also folgt die Anerkennung der Frau als doppelt geforderte Spezies; und diese Anerkennung ist auch schon der schönste und vor allem der einzige Lohn, das leistet die jährliche Kampagne. Bei dieser kurzen Behauptung zur modernen Rassenfrage soll es einmal bleiben.

Zum Schluss die gute Nachricht. Die allerletzte Bemerkung widmet sich der konstruktiven Kritik, jetzt kommt endlich was Positives, es kommt eine realistische, praktikable, hier und jetzt durchführbare Lösung: Wenn das Problem darin besteht, dass Frauen weniger verdienen als Männer, dann besteht die Lösung aus zwei Komponenten: Erstens – öffentlicher Dienst, denn da gibt es ein transparentes Gehaltsgefüge und obendrein eine positive Diskriminierung: Wenn sich zwei gleich qualifizierte Personen um eine Stelle bewerben, dann bekommt die Frau gegenüber einem Mann den Zuschlag, derzeit. Zweitens: Keine Kinder, dann entfallen auch die Lücken in der Erwerbsbiographie und die Phasen der Teilzeitbeschäftigung. – Wie gesagt, wenn das Problem darin besteht, dass Frauen weniger verdienen, dann ist das die Lösung.